Über die Buchreihe Technosophy:

Der rasante technologisch-wissenschaftliche Fortschritt der Gegenwart hat unvorhersehbare epistemische und soziale Nebenwirkungen. Ein Umgang mit diesen Nebenwirkungen und dem hyperkomplexen Charakter des technologischen und naturwissenschaftlichen Wissenserwerbs erfordert selbst neue Wege des Wissens und Urteilens. Das Center for Science and Thought der Universität Bonn befasst sich mit diesen Fragen auf Grundlage einer Bottom-up-Epistemologie: Neuste Wissensproduktion an der Grenze des Bekannten, Gewussten wirft Fragen auf, die nur in transdisziplinärer Zusammenarbeit beantwortet werden können. Eine solche Kooperation bezieht die Geistes- und Sozialwissenschaften in Problemfelder mit ein, die derzeit noch weitgehend ohne Rückgriff auf eine tiefgreifende erkenntnistheoretische Reflexion gestaltet werden. Um unser Wissen entlang dieser Grenze auszuweiten, ist es jedoch wichtig, unsere Auffassung der Problemräume so zu verschieben, dass die unvorhersehbaren, komplexen Dynamiken der gesellschaftlichen Bedingungen und Realitäten sichtbar werden, die mit den naturwissenschaftlichen Praktiken der Wissensproduktion und der bereichsübergreifenden Implementierung von Wissen und Technologien verbunden sind.

In diesem Kontext zielt die Buchreihe Technosophy darauf ab, interdisziplinäre Arbeiten vorzustellen, die sowohl zu einer weiseren Nutzung der Technologie, als auch zu Interpretationen aktuellster Wissenschaft einen Beitrag leisten und es uns ermöglichen, die größeren erkenntnistheoretischen, metaphysischen, ethischen und politischen Fragen anzusprechen, die sich notwendigerweise stellen, wenn man den breiteren Rahmen betrachtet, in dem technowissenschaftlicher Fortschritt möglich ist und realisiert wird. Wir hinterfragen daher nicht nur die zeitgenössische Wissenschaft von unterschiedlichen disziplinären Standpunkten aus. Sondern das Ziel ist die Entwicklung neuer Formen von Weisheit und sozialer Intelligenz, die es uns ermöglichen, alternative Verwendungsmöglichkeiten von Wissenschaft und Technologie, begründet in ihren eigenen Ontologien und Epistemologien, ins Auge zu fassen.

Die Buchreihe wird herausgegeben von Markus Gabriel, Dennis Lehmkuhl, Aimee van Wynsberghe, Ana Ilievska, Christiane Schäfer und Jan Voosholz.

Kontakt: technosophy@uni-bonn.de

Unsere Technosophy-Publikationen:

Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler arbeiten hinter einer Glasfassade und mischen Chemikalien mit Großgeräten.
© Montage by Joline Kretschmer, ”John Maynard Keynes, Baron Keynes” by Gwen Raverat © National Portrait Gallery, London

Webfare: A Manifesto for Digital Well-Being 
von Maurizio Ferraris

Seit jeher schließen Menschen Geschäfte, konsumieren Güter und verfolgen ihre Interessen, und bringen so bestimmte Lebensformen hervor. Heute verfestigen sich diese Lebensformen zunehmend, indem sie automatisch in Daten übersetzt werden. Webfare, ein Konzept digitaler Wohlfahrt, versucht eine kopernikanische Wende herbeizuführen, die nicht Leistung, sondern menschliche Bedürfnisse in das Zentrum der Gesellschaft stellt. In einer Wohlfahrt des 21. Jahrhunderts werden Konsum und Produktion als zwei Seiten derselben Medaille verstanden. Im Gegensatz zu traditionellen Wohlfahrtsmodellen erkennt Webfare die Möglichkeit eines neuen Werts an, der durch den digitalen Raum kreiert wird, und möchte diesen Wert für das Wohl aller nutzen.

Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler arbeiten hinter einer Glasfassade und mischen Chemikalien mit Großgeräten.
© ChrisW

Standardization of AI: Ethics Stakeholders, Values and Profit
hrsg. von Nicholas Kluge Corrêa and Julia Maria Mönig

Das Verhältnis von Künstlicher Intelligenz, Ethik, gesellschaftlichen Werten und Standardisierung ist komplex. Die Beiträge dieses Sammelbandes beleuchten die Herausforderungen und Möglichkeiten einer Standardisierung von KI-Ethik, von algorithmischen Audits über die Beteiligung relevanter Akteur:innen bis hin zu Zertifizierungsmechanismen. Sie entwickeln eine umfassende, interdisziplinäre Perspektive auf die ethische Gestaltung und Regulierung von KI und behandeln Themen wie die Überprüfung von Auditor:innen, täuschende Roboter, den Einsatz von KI in Einstellungsverfahren sowie die Frage, wie bestehende zivilgesellschaftliche Infrastrukturen zur Entwicklung ethischer Standards für KI-Anwendungen beitragen können.

Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler arbeiten hinter einer Glasfassade und mischen Chemikalien mit Großgeräten.
© Cover concept: Maria Arndt, Cover illustration: Michael Winkert

Humanism in the Age of AI: Ethics, Aesthetics, and Social Critique 
hrsg. von Ana Ilievska

Was bedeutet es heute, vom »Menschen« zu sprechen, wenn dieser Begriff zunehmend zur Gestaltung, Anwendung und Regulierung Künstlicher Intelligenz herangezogen wird? Der interdisziplinäre Sammelband unternimmt den Versuch, den Humanismus neu zu denken. Aus Perspektiven der Ethik, Ästhetik und Gesellschaftskritik widmen sich die Beiträge Themen wie Handlungsfähigkeit und Verantwortung, Freiheit und Arbeit, Verkörperung und Kognition, praktischer Weisheit, Liebe und Reziprozität sowie der Frage, wie algorithmische Systeme Bedeutung und Weltlichkeit neu ordnen. Der Humanismus erscheint dabei nicht als Lehre oder Verteidigung von einem Sonderstatus des Menschen, sondern als kritische Praxis der Sorge für eine gemeinsame Welt unter den Bedingungen technologischer Abstraktion.

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