Videoarchiv

Mercator Lectures for AI in the Human Context

Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler arbeiten hinter einer Glasfassade und mischen Chemikalien mit Großgeräten.
© picture by kazuend on Unsplash

Von Prof. Robin R. Wang

Dieser Vortrag führt in das Dui–Tong-Problem ein – die Spannung zwischen Korrektheit (dui 對) und relationaler Responsivität (tong 通). Ausgehend vom Zhuangzi entwickelt Prof. Wang das Konzept der Subtle Proximity („subtile Nähe“) als eine daoistische Logik fortwährender relationaler Neupositionierung, um mit dieser Spannung umzugehen. Das Modell wird anhand von fünf Thesen und fünf daoistischen epistemischen Tugenden entfaltet und bietet eine alternative Auffassung von Intelligenz, die über Vorhersage, Berechnung und Kontrolle hinausgeht.

Mehr Informationen gibt es hier.

Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler arbeiten hinter einer Glasfassade und mischen Chemikalien mit Großgeräten.
© CST

Von Prof. Monojit Choudhury

Dieser Vortrag argumentiert dafür, dass Sprache kein einheitliches Gebilde ist, sondern ein lebendiges Mosaik individueller Stimmen, geprägt durch Kontext, Kultur und Erfahrung. Sie auf eine generische, durchschnittlich „menschliche“ Leistung zu reduzieren, verfehlt ihr Wesen. Er schlägt daher eine Neufassung des Turing-Tests vor – den „Turing Test 2.0“: die Fähigkeit, nicht irgendeinen Menschen, sondern ein konkretes Individuum zu modellieren. Dieser Perspektivwechsel knüpft an philosophische Traditionen an, die Bedeutung in Gebrauch, Interaktion und gelebter Wirklichkeit verorten. Damit eröffnet sich eine ambitioniertere und nachhaltigere Vision von KI: nicht bloß flüssigen Text zu erzeugen, sondern sich mit der menschlichen Erfahrung auseinanderzusetzen, die Sprache zugleich widerspiegelt und formt. 

Mehr Informationen gibt es hier.

Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler arbeiten hinter einer Glasfassade und mischen Chemikalien mit Großgeräten.
© Elise Racine / https://betterimagesofai.org / https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/

Von Prof. Neda Atanasoski

Dieser Vortrag untersucht scheinbar gegensätzliche Perspektiven rund um die "Artificial General Intelligence" (AGI): ihre Darstellung als „neues Manhattan-Projekt“, das von geopolitischem Wettbewerb und Ängsten vor deren Vernichtung angetrieben wird, sowie ihre Neuinterpretation als Erweiterung der Definition des Lebens selbst. Der Vortrag argumentiert, dass beide Narrative trotz ihres scheinbaren Gegensatzes eng mit rassistischen kapitalistischen und kolonialen Verhältnissen verflochten sind und diese aufrechterhalten. Anhand einer Betrachtung des historischen Erbes des ursprünglichen Manhattan-Projekts – einschließlich Landenteignungen und Umweltzerstörung – zeigt der Vortrag auf, wie bestehende Infrastrukturen für die Entwicklung künstlicher Intelligenz genutzt werden, um den Energieverbrauch und die Klimaproblematik weiter verschärft. Der Vortrag legt nahe, dass das Streben nach AGI, sei es nun im Hinblick auf globale Vorherrschaft oder eine Neudefinition des Lebens, die anhaltende Ausbeutung verschleiert und bestehende Machtstrukturen verstärkt, was die Notwendigkeit alternativer Auffassungen von Leben unterstreicht.

Mehr Informationen gibt es hier.

Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler arbeiten hinter einer Glasfassade und mischen Chemikalien mit Großgeräten.
© Alan Warburton / https://betterimagesofai.org / Image by BBC

Von Shoukei Matsumoto

Da künstliche Intelligenz zunehmend die menschlichen Erfahrungen und Interaktionen prägt, steht unsere herkömmliche anthropozentrische Perspektive tiefgreifenden Herausforderungen gegenüber. Dieser Vortrag untersucht, wie die buddhistische Philosophie, insbesondere ihre nicht-dualistische Sicht des Lebens und der Verbundenheit, wertvolle Einsichten für die Überwindung des menschenzentrierten Denkens bietet. Durch einen Dialog zwischen dem Buddhismus und posthumanistischen Perspektiven, können wir eine neue Art von menschlicher Bildung kultivieren - eine, die die Koexistenz und Interdependenz mit der KI und dem breiteren ökologischen System System umfasst.

Mehr Informationen gibt es hier.

Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler arbeiten hinter einer Glasfassade und mischen Chemikalien mit Großgeräten.
© https://betterimagesofai.org

Von Prof. Dr. Walther Ch. Zimmerli

Seit ChatGPT erleben wir einen weiteren weltweiten KI-Hype. In seinem Vortrag versucht der Schweizer Philosoph Walther Ch. Zimmerli die verborgenen Mechanismen hinter den unbestreitbaren Erfolgsgeschichten der KI aufzudecken, indem er deren Geschichte wiederkehrender Hype-Zyklen rekonstruiert, beginnend mit der von ihm so genannten „Dartmouth-Verschwörung“ und Turings „Rehabilitation der Täuschung“. Die dem Begriff der KI innewohnende Suggestivkraft ist jedoch auf seinen mythischen Charakter zurückzuführen, wie sich sowohl durch den Vergleich der Gartner-Hype-Cycle-Theorie mit der Philosophie des Mythos (Blumenberg) als auch durch ihre semiotische Erklärung anhand von Analogien und Metaphern sowie durch den Vergleich mit dem Singularitäts- und dem Posthumanismus-Mythos (Kurzweil) zeigt.

Mehr Informationen gibt es hier.

Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler arbeiten hinter einer Glasfassade und mischen Chemikalien mit Großgeräten.
© Joline Kretschmer

Von Prof. Dr. Maurizio Ferraris

Wir als Verbraucher, als homo consumens qua homo valens, sind zu einer Quelle für eine neue Art von Kapital geworden. Dieses neue humanistische Kapital ist kein Zeichen der göttlichen Auserwählung des Individuums, wie im calvinistischen Ursprung des bürgerlichen Kapitalismus; stattdessen ist es nur insofern wertvoll, als es von allen Menschen geteilt wird, unabhängig von Reichtum, Intelligenz, Race oder Glauben. Bisher waren die beiden Optionen zur Regulierung des Umfelds, in dem dieses Kapital produziert wird, entweder die Privatisierung oder die Kollektivierung der Datenwirtschaft.
Im Rahmen seines Vortrags wird Prof. Dr. Maurizio Ferraris, eine dritte humanistische Option für einen zukünftigen Datenmarkt diskutieren, die nicht nur Gleichheit, sondern echte Gerechtigkeit ermöglicht: Webfare als Umverteilung von Kapital.

Mehr Informationen gibt es hier.

Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler arbeiten hinter einer Glasfassade und mischen Chemikalien mit Großgeräten.
© Pixarbay

Von Prof. Dr. Jocelyn Maclure

Die jüngsten Fortschritte in der KI-Forschung werfen eine Vielzahl schwieriger ethischer Fragen hinsichtlich der Auswirkungen von KI-Technologien auf das menschliche Leben auf. Auch wenn das Vorhaben, „moralische Maschinen“ zu entwickeln, nicht neu ist, ist die KI-Ethik mittlerweile ein dynamisches Forschungs- und Politikfeld.  Man kann es kaum jemandem verübeln, wenn er angesichts des Stands der öffentlichen Diskussion über KI verwirrt ist. Jocelyn Maclure vertritt in seinem Vortrag eine Sichtweise, die er als „deflationär“ bezeichne, was die zukünftige Entwicklung der KI und den moralischen Status fortgeschrittener KI-Systeme angeht.

Mehr Informationen gibt es hier.

Eine Wissenschaftlerin und ein Wissenschaftler arbeiten hinter einer Glasfassade und mischen Chemikalien mit Großgeräten.
© Clarisse Croset/@herfrenchness

Von Prof. Dr. Olivia Erdélyi

Künstliche Intelligenz bestimmt immer mehr unseren Alltag. Um KI-Technologien und ihrer Regulierung gerecht zu werden, braucht es einen Blick auf juristische, ökonomische, soziale und anthropologische Kontexte gleichermaßen. Im Rahmen der Reihe Mercator Lectures for AI in the Human Context widmet sich Dr. Olivia Erdélyi, in ihrem Vortrag „Regulating Artificial Intelligence: A True Team Effort“  der Frage nach der Bedeutung von Zusammenarbeit bei der KI-Regulierung – sei es zwischen unterschiedlichen Forschungsdisziplinen oder unterschiedlichen Stakeholdern. Dr. Olivia Erdélyi, Senior Lecturer an der Universität Canterbury und ist international anerkannte Expertin für KI-Ethik und -Politik mit einem multidisziplinären Hintergrund in KI, Wirtschaft, Recht und Politikwissenschaft forscht und lehrt seit Oktober 2022 als erste Mercator Visiting Professor for AI in the Human Context an der Universität Bonn. Ihr Vortrag gibt den Startschuss zur mehrjährigen Vorlesungsreihe und stellt Zusammenarbeit programmatisch in den Fokus: Welche Ansprüche und Wünsche treffen bei der Entwicklung und Umsetzung von KI-Regulierung aufeinander?  Wie kann die Kommunikation zwischen Disziplinen und zwischen unterschiedlichen Interessengruppen gelingen? Welche Rolle spielt internationale Kooperation und transnationale Konsistenz? Und wie einfach ist die praktische Umsetzung der KI-Vorschriften? Bei diesen und anderen Fragen steht KI nicht alleine, sondern ist eines von vielen Beispielen in der Geschichte technologischer Innovation und deren Einflusses auf unsere Gesellschaft. Erst, wenn KI-Technologien als Knotenpunkt verschiedener Perspektiven begriffen werden, lassen sich die damit verbundenen Herausforderungen in den Blick nehmen. 

Mehr Informationen gibt es hier.

Kontakt

Um mehr zu erfahren, besuchen Sie unsere Projekt-Website oder unser LinkedIn.

Projektkoordination Bonn: Christiane Schäfer (c-schaefer@uni-bonn.de)

Project Office: Claas Lüttgens (c.luettgens@uni-bonn.de)

Wird geladen